Vom Bloggen

Ich habe seit dem 24. August dieses Jahres nicht mehr wirklich gebloggt. Oh, sicher, ich habe verschiedene Neuigkeiten über mein Leben oder über Sachen, die ich erschaffen habe, geschrieben, oder humorige Erkenntnisse veröffentlicht, aber gebloggt habe ich nicht!

Was ist bloggen?

Eine gute Frage, und natürlich werde ich sie auf keinen Fall beantworten. Was ich beantworten werde ist die Frage “Was ist bloggen für mich?” Antwort: Eine Form der Ausarbeitung eines Gedankens vom Anfang bis zum Ende. Eine Art Begründete Stellungnahme oder Gegenüberstellung aus dem Deutschunterricht sozusagen, nur dass die meisten Blogger freiwillig schreiben, allein schon weil es weitaus mehr in erscheint als Schule.

Dabei ist es eigentlich das Gleiche. Oder nein: Beide Texte, sowohl die argumentativen Aufsätze aus dem Deutschunterricht und das, was ich als Bloggen ansehe, stammen von der selben Meta-Textart ab; alle drei Textarten haben das selbe Ziel.

Ich habe keine Ahnung, wie ich diese Meta-Textart nennen soll. Es gibt bestimmt schon ein Wort dafür, das diese Textart perfekt trifft, aber ich bin nicht gut mit Worten, und darum muss ich sie umschreiben.

Meta?

Ich denke bei dieser Textart an frühe philosophische Schriften, Platos Dialoge zum Beispiel. Sie nehmen ein Problem oder eine Fragestellung und denken den Grundgedanken, der sich daraus ergibt, Schritt für Schritt zu Ende. Platon hat deutlich wichtigere und fundamentalere Gedanken als meine, aber hier ist es die Methodik die zählt.

Ein anderes Beispiel sind (interessanterweise, denn ich glaube nicht dass jemand schon einmal diesen Vergleich gezogen hat) Isaac-Asimov-Romane: Asimovs Charaktere unterhalten sich oft über das, was sie antreibt und ihr Handeln bestimmt, und zwar in äußerst ruhiger und logischer Weise. Tatsächlich sind die Gespräche Platons Schriften sogar ähnlicher als ich zuerst dachte, weil sie ebenso in Dialogforum sind.

Beide präsentieren dem Leser nicht nur den fertig gedachten Gedanken, sondern auch den Weg dazu. Und daher ist diese Form ideal dafür, einen Gedanken zu erdenken. Mehr dazu gleich.

Und warum will ich so schreiben?

Ab und zu muss man sich auf die Gründe besinnen, warum man etwas tut. Bei diesem Blog war der Grund klar; tatsächlich könnte man den allerersten Satz meines digitalen Tagebuchs als geradezu präambular bezeichnen:

Ich habe mich entschlossen, ein Tagebuch zu führen, um ein Zeugnis der fortschreitenden Degeneration meines Geistes zu erschaffen.

Düster, oder? Auch wenn ich heute nicht mehr gaaaaaaaanz so negativ denke, bleibt eines gleich: Ich benutze ein Tagebuch, um mir meiner eigenen Gedanken klar zu werden und um neue zu denken. Gedanken denken ist gar nicht so einfach. Gute Gedanken kommen nämlich nicht fertig im Gehirn an, sondern sie existieren als kleiner Samen in der Hirnrinde; und erst durch den Vorgang des Zu-Ende-Denkens wächst dieser Samen zu einer Einstellung oder Aussage, die es wert ist, sich tief verwurzeln zu können. Was der Vorgang des Wachsens der Hirnrinde antut, stellen wir uns lieber nicht vor.

Mein Blog ist nicht nur dazu da, um den Leuten zu erzählen, dass mein Monitor brummt. Tatsächlich ist dieses Blog nicht einmal dazu da, gelesen zu werden. Halt!, bitte nicht ausgerechnet jetzt wegsurfen, ich meine, nicht primär, OK? Tatsächlich mag ich es sehr, wenn man meine Gedanken liest und teilt.

Der Hauptzweck dieses Blogs sollte sein, mir die Möglichkeit zur Entwicklung meiner Gedanken zu geben, und darauf möchte ich mich mit diesem Eintrag zurückbesinnen. Oh, und ich glaube ich möchte auch einen etwas humorvolleren Stil entwickeln, wie sich hoffentlich schon in diesem Text gezeigt hat. Wenn nicht: Beschweren bitte!


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