The God Delusion
Wenn ein nicht-fiktiver Text mich anspricht, dann meistens, weil er mich in meiner Weltsicht bestätigt, oder sie aus einem anderen Perspektive zeigt. Dann flitze ich mit leichtem Kopfnicken durch die Argumentation, wenn sie gut ist, und freue mich, in meiner Sicht der Dinge bestätigt zu werden.
Mit dem Buch The God Delusion von Richard Dawkins ergeht es mir anders. Natürlich müssen in einem Buch, das Atheismus propagiert, auch große Strecken sein, die ich einfach zustimmend überfliege. Aber je weiter Dawkins in seiner Argumentation fortschreitet, desto mehr zeigt er Dinge auf, über die möglicherweise gerade ein europäischer Atheist gar nicht nachdenkt.
Ich will nicht das Buch komplett rezensieren. Ein Großteil entspricht meiner Weltsicht und mit einem kleinen Teil kann ich mich nicht anfreunden. Das einzige, was ich über das komplette Buch sagen möchte ist: Es ist sehr lesenswert, unterhaltsam und, was ich eigentlich erzählen will, reißt einem gewaltig die Augen auf.
Worüber ich hier schreibe ist das letzte Kapitel, in dem Dawkins aufzeigt, dass es gerade in den Extremsituationen des Lebens — Situationen großer Trauer, des Nachdenkens über den Tod, etc. — dass es selbst und gerade in diesen Situationen bessere Philosophien gibt als das blinde Vertrauen in eine Religion. Er schreibt:
In Unweaving the Rainbow I tried to convey how lucky we are to be alive, given that the vast majority of people who could potentially be thrown up by the combinatorial lottery of DNA will in fact never be born. For those of us lucky enough to be here, I pictured the relative brevity of life by imagining a laser-thin spotlight creeping along a gigantic ruler of time. Everything before or after the spotlight is shrouded in the darkness of the dead past, or the darkness of the unknown future. We are staggeringly lucky to find ourselves in the spotlight. However brief our time in the sun, if we waste a second of it, or complain that it is dull or barren or (like a child) boring, couldn’t this be seen as a callous insult to those unborn trillions who will never even be offered life in the first place?
Nachdem ich das gelesen hatte, war ich überwältigt. Es stimmt, was er da sagt. Wie kann jemand es wagen, auch nur eine Sekunde seines Lebens zu verschwenden? Allein die Idee scheint unglaublich dumm!
Nachdem ich den Absatz zu besseren Wirkung ein zweites Mal gelesen hatte, kam mir dieser Gedanke: Wenn es wirklich nur ein mikroskopisch winziger Teil des Möglichkeitenraums ist, den wir zur Verfügung haben, wenn unsere Zeit so begrenzt ist — warum hält sich dann eigentlich irgendwer überhaupt noch mit Dingen wir Moral, Nächstenliebe und Vertrauen auf? Sollten wir nicht danach streben, skrupellos unser eigenes Glück zu verfolgen, allein nach dem Recht des Stärkeren und ohne Rücksicht auf Andere?
Woraus aber besteht unser eigenes Glück? Wenn ich über einen wahrhaft glücklichen Menschen nachdenke, fällt mir anscheinend zuerst großer Reichtum ein. Aber das ist bei Weitem noch nicht alles; wie will ich glücklich sein, wenn ich ständig Angst vor der Rache derer haben muss, die ich betrogen habe. Kann ich glücklich sein, wenn ich weiß dass ich niemanden habe, der mir aufhilft wenn ich scheitere? Wie will ich glücklich sein, ohne die Liebe meiner Freundin? Wie kann ich denn überhaupt Glück finden ohne das Vertrauen meiner Freunde?
Und um dieses Vertrauen, diese Liebe, diese Hilfe zu erhalten, müssen wir alle hart arbeiten; nicht etwa weil es moralisch richtig wäre oder weil unsere Religion es uns vorschreibt, sondern um unser selbst willen. Wir handeln moralisch aus purem Egoismus! Herzerwärmend, oder? :)
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- 11.12.06 / 10am
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Hallo, mein Name ist Daniel Jilg und das hier ist mein Geek-Blog. Ich studiere Informatik mit Anwendungsfach Philosophie an der Uni Augsburg kombiniere damit zwei meiner Lieblingsbeschäftigungen.
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