Hermes

Eines Tages, eines ganz normalen Tages, passiert es einfach. Du läufst in einer kalten Winternacht durch eine leere Straße, ganz allein, dem Geräusch der Stille lauschend, und deinen Schritten, die im leeren Raum hallen.

Plötzlich ruft jemand hinter dir: He, Du! Du drehst dich um, und durch den Nebel, der durch die schwache, so künstliche Beleuchtung der Straßenlaternen noch viel gespenstischer wirkt, durch diesen Nebel siehst du eine Gestalt langsam auf dich zugehen. Der junge Mann trägt einen schäbigen langen Mantel, der vom Wind hin- und hergetrieben wird. Seine blonden langen Locken wehen.

Dann steht er vor dir. Sein Gesicht ist jung, seine Augen alt. Ich habe dich schon seit Jahrtausenden gesucht, erklärt er dir. Du bist verblüfft. Seit Tausenden von Jahren? Wie soll denn das gehen, fragst du, ich lebe doch erst seit ein paar Jahrzehnten?

Er gestikuliert schlaksig. Aber du bist doch — und er nennt deinen Namen. Oder? Du nickst, erstaunt. Er nennt dir noch weitere Informationen über dich, Dinge die du noch nie jemandem erzählt hast. Sie stimmen. Alle.

Und deswegen, meint er stolz, kann er dir nun endlich die Nachricht übergeben, die dir zu bringen ihm aufgetragen wurde, vor all diesen Jahrtausenden. Denn endlich hat er dich gefunden.

Er streicht sich die Haare aus dem Gesicht und bändigt seinen flatternden Mantel, damit er an seine Taschen kommt. Er steckt die Hand in die Tasche, und kramt darin herum. Der Wind saust in deinen Ohren.

Und plötzlich weicht der triumphierende Ausdruck in seinem Gesicht erschrockener Bestürzung. Ich habe sie verloren! ruft er aus. Die Nachricht! Die wichtige Nachricht, ich habe sie verloren! Beinahe weint er schon.

Du beruhigst und meinst, so wichtig kann die Nachricht doch nicht gewesen sein, oder? Doch, meint er, die Nachricht war von allergrößter Wichtigkeit. Aber sie ist weg. Er entschuldigt sich vielmals und verschwindet aus deinem Leben. Für immer.


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